Euphancholie – Lesung mit Bestsellerautor Benedict Wells

Der Ernst des Lebens soll schon bald losgehen für die 11. und 12. Klässler des Gymnasiums Hohenschwangau. Nach dem Abitur warten Studium, Ausbildung oder viele weitere Berufsmöglichkeiten für eine erfolgreiche Zukunft auf uns. Das ist alles wirklich viel. Denn mit 18 schon Entscheidungen zu treffen für sein 30-jähriges Selbst? Fast unmöglich. Dies meinte auch der junge Bestsellerautor Benedict Wells in seiner Lesung am Montag, dem 20.09.2021, am Gymnasium Hohenschwangau. Der Schriftsteller hatte selbst 2003 sein Abitur hier bestanden und wurde danach in die große, weite Welt entlassen. Doch anders als die meisten seiner Schulkameraden entschied er sich nicht für ein Studium oder Ähnliches, sondern beschloss sich ganz seiner Leidenschaft, dem Schreiben, hinzugeben und alles zu tun, um sich den Traum vom eigenen Buch zu erfüllen. Seiner Meinung nach: nicht wirklich mutig. Naja, das ist wohl Interpretationssache. In einer langwierigen Phase des erfolglosen Schreibens hielt er sich mit Nebenjobs über Wasser und arbeitete fokussiert an seinen damaligen Werken weiter. Nach vier Jahren der Ablehnung durch viele Verleger war der erste Agent bereit, seine Entwürfe zu lesen und der Erfolg nahm langsam seinen Lauf. Auf die Frage nach seinem unfassbaren Durchhaltevermögen in einer Zeit ohne jegliche Zustimmung oder Anerkennung für seine Arbeit, antwortete er, dass er „in etwas gescheitert war, das [er] geliebt ha[be], weshalb es okay [gewesen sei]“.

Die Leidenschaft für seinen Beruf konnte man während des gesamten Vortrags deutlich heraushören und seine Worte über Träume und die vielen Möglichkeiten, welche auf uns warten, waren sehr inspirierend – auch in Bezug auf die eigene Zukunft. Diese Angst und gleichzeitige Freude im Hinblick auf Zukunftsperspektiven thematisiert Wells auch in seinem neuen Roman Hardland, welcher von einem Jugendlichen aus einem kleinen Dorf in Missouri handelt, der ebenfalls trotz Widrigkeiten seinen Weg findet. In Zusammenhang mit einer Buchstelle, die uns Schülerinnen und Schülern vorgelesen wurde, prägte Wells das Wort „Euphancholie“. Dieses beschreibt genau das Gefühl, das so viele von uns kennen, wenn man vor Freude schreien könnte und gleichzeitig melancholisch und nachdenklich wird, im Hinblick auf das Ende der Schulzeit.

Über Gedanken wie diese oder auch andere Sorgen und Unsicherheiten aus der Vergangenheit ist Benedict Wells erst richtig zum Schreiben gekommen. Früher waren es bedrohliche Emotionen, die man nicht in Worte zu fassen vermochte, aber heute findet er in seinen Werken eine Möglichkeit, all diese Gedanken zu verarbeiten und durch sie verschiedene Geschichten zu erzählen. Doch nicht nur dieser offene Umgang mit seinen Gefühlen, sondern auch seine Liebe für die Sehnsüchte der 80ies und sein Geständnis, nie wirklich gut in Deutsch gewesen zu sein, machten ihn uns noch sympathischer. Nach zwei interessanten Passagen aus seinem Roman entließ uns der Schriftsteller mit den Worten „Es gibt keine Garantie das es klappt, aber es klappt nur wenn man es macht“ inspiriert in die folgende Schulwoche.