Social Media – Fluch oder Segen?

Instagram, Facebook, Tinder und vieles mehr… 

Jeder kennt diese Plattformen und nutzt einige davon bestimmt selber täglich. Gerade jetzt in Zeiten von Corona, in denen man sich nicht mit Freunden treffen sollte, sind Social Media eine gute Möglichkeit, um trotzdem Kontakt mit anderen haben zu können. Doch man sollte bei der Nutzung vorsichtig sein und bewusst darüber nachdenken, wie man sie nutzt und was man dort liest.

Dass das Internet nichts vergisst, weiß so gut wie jeder, weshalb man vorsichtig sein sollte, was für Bilder man postet bzw. was man dort über sich preisgibt. 

Denn habt Ihr Euch schon einmal darüber Gedanken gemacht, warum die Nutzung von Social Media in der Regel nichts kostet? Das liegt daran, dass diese Dienste nur auf den ersten Blick kostenlos sind. Für die Nutzung von Facebook und Ähnlichem müssen wir kein Geld zahlen – wir bezahlen vielmehr mit unseren Daten.

Jeder hat bestimmt schon mitbekommen, dass Soziale Medien unsere Nutzerdaten sammeln, um diese dann an die          unterschiedlichsten Unternehmen und Plattformen weiterzuverkaufen. So können Unternehmen beispielsweise aus unseren Facebook-Likes, Posts oder Kommentaren unsere Interessen ermitteln, um uns speziell darauf abgestimmte Werbung zu zeigen oder aktuelle Trends ausfindig zu machen. Aber gerade dieses Sammeln und Verarbeiten von personenbezogenen Daten ist auch anfällig für Cyberkriminalität. Denn nicht selten finden Kriminelle einen Weg, um an diese Daten zu gelangen und so unsere persönlichen Informationen für ihre Zwecke zu nutzen. Doch Nutzer sind nicht gänzlich machtlos. Bei Facebook kann man zum Beispiel bei „Einstellungen/Werbeanzeigen“ nachschauen, welche werberelevanten Posts geliked wurden und unter „Einstellungen für Werbeanzeigen“ kann personalisierte Werbung sogar ganz abgestellt werden.

Es ist also umso wichtiger, dass wir uns vor der Nutzung solcher Internetdienste gut darüber informieren, welche unserer Daten zu welchen Zwecken gespeichert und verwendet werden. Das ist allerdings den meisten von uns zu mühsam, da solche Datenschutzrichtlinien oft nur schwer und mit viel Geduld zu verstehen sind. Das effektivste Mittel zur Vorbeugung des Missbrauchs unserer Daten ist allerdings viel einfacher: Jeder von uns sollte genau überlegen, was wirklich dazu gedacht ist, von vielen Personen aus verschiedensten Teilen der Erde gesehen und gespeichert zu werden und wirklich nur solche Informationen preisgeben, die nichts zu Persönliches enthalten.

So schützt Du Dich und Deine Daten
Überprüfe Deine Einstellungen (privates Konto statt öffentliches, …).
Nutze eine andere E-Mail-Adresse für Deine Social Media Accounts als für Online-Banking etc.
Je komplizierter das Passwort, desto besser – nutze sichere Passwörter.
Hinterfrage alles kritisch, was Du liest und siehst. Überlege genau, was Du postest (Das Internet vergisst nie!).

Problematisch ist auch, dass bei Social Media jeder etwas posten kann, auch wenn es häufig nicht der Wahrheit entspricht und solche Fake-News durch Instagram usw. oft schnell verbreitet werden. 

Der Psychologe Ingo Ostgathe meinte in einem Interview dazu, dass aus psychologischer Sicht das Problem darin liegt, dass wir, wenn wir etwas oft lesen oder sehen, nicht mehr unterscheiden können, ob dies stimmt oder nicht. Somit können soziale Plattformen auch bewusst dazu genutzt werden, einer Person mit Rufmord oder Ähnlichem zu schaden. Stellen wir uns also vor, dass die Person A der Person B schaden möchte. Hierzu kann die Person A ohne weiteres eine falsche Tatsache über die Person B im Internet posten, wodurch sich diese Unwahrheit rasend schnell verbreitet. Die Leser dieses Posts sind hierbei nicht in der Lage zu unterscheiden, ob es sich um die Wahrheit handelt oder nicht. Ein großer Teil der Nutzer der Sozialen Medien, die diesen Post gesehen haben, wird also an die Echtheit der von Person A geteilten Inhalte glauben.

Unter Cybermobbing versteht man die Beleidigung, Bedrohung, Bloßstellung oder Belästigung von Personen mithilfe von Kommunikationsmedien, beispielsweise über Smartphones, EMails, Websites, Foren, Chats und Communities.

Aus einer Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse geht auch hervor, dass die Zahl der von Cybermobbing betroffenen Kinder und Jugendlichen seit 2017 um mehr als ein Drittel gestiegen ist. So waren im Jahr 2020 17,3 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen betroffen, während es 2017 noch 12,7 Prozent waren – und die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

Social Media bringen aber noch weitere Probleme mit sich, unter anderem, dass diese Medien die Wirklichkeit praktisch „verzerrt“ darstellen, was zu einem verschobenen Weltbild mit weitreichenden Folgen führen kann. Ein Beispiel sind die Auswirkungen, die schlanke Models mit scheinbar „perfekten“ Figuren haben können, da viele Leute durch dieses Schönheitsideal ein falsches Bild entwickeln und glauben, dass sie sich an dieser „Mustervorgabe“ orientieren müssen, um akzeptiert zu werden. Dadurch können vor allem bei jungen Leuten Essstörungen oder Depressionen entstehen. 

Die Social Media ermöglichen uns aber gerade auch, mit anderen zu kommunizieren, ohne sich zu treffen. Diesen Vorteil von Whatsapp und Co. sollte man nur begrenzt nutzen und mit Vorsicht genießen. Viele verwenden zum Beispiel Dating Apps wie Tinder, bei denen man sich ein Profil erstellt und es so lange „perfektioniert“, bis man sich möglichst interessant dargestellt hat. Wenn man dann anfängt mit einer fremden Person zu schreiben, erzählt man nur spannende und positive Dinge über sich und zeigt folglich nicht, wie man wirklich ist, sondern setzt sich eine „Maske“ auf, um Eindruck zu schaffen, wie Ingo Ostgathe erklärt. Problematisch ist hierbei, dass man sich hinter dieser „Maske“ versteckt, mit der Folge, sich ständig verstellen zu müssen. „Dieser Verlust des Kontakts zu sich selbst, ist ein Grund für viele Depressionen“, so Ingo Ostgathe.

Es empfiehlt sich also, über die Frage, ob Social Media wirklich so sozial sind, nachzudenken, da Studien zeigen, dass es mittlerweile immer häufiger vorkommt, dass Kinder und Jugendliche lieber nur chatten, anstatt sich wirklich zu treffen. Mit dieser Problematik sollten wir uns deshalb bewusst auseinandersetzen und uns doch lieber mit Freunden verabreden, als nur über Whatsapp oder ähnliche Social Media zu kommunizieren.

Allgemeine Informationen und Hilfsangebote:
•        „Broschüre Chatten ohne Risiko? Sicher kommunizieren in Chat, Messenger und Community“ von jugendschutz.ne
•        „Faltblatt Sicher vernetzt! Kinder und Jugendliche in Internet-Communitys“ von jugendschutz.net
•        Beratungsstellen und Informationsquellen bei eventueller Medienabhängigkeit:
https://www.klicksafe.de/themen/digitale-spiele/digitale-spiele/sucht-undabhaengigkeit/rat-und-hilfe/
Hilfe-Hotline bei Cybermobbing: 0721-98 19 29 10 (Helpline des Bündnisses gegen Cybermobbing)