{"id":159,"date":"2021-04-18T18:31:44","date_gmt":"2021-04-18T18:31:44","guid":{"rendered":"https:\/\/insider.hogau.org\/?p=159"},"modified":"2022-12-06T11:39:27","modified_gmt":"2022-12-06T11:39:27","slug":"blackfacing-ist-das-schon-rassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/insider.hogau.org\/index.php\/2021\/04\/18\/blackfacing-ist-das-schon-rassismus\/","title":{"rendered":"\u201eBlackfacing\u201c: Ist das schon Rassismus?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Indianer, Mohr und Scheich \u2013 Kost\u00fcme, die immer \u00f6fter als rassistisch gelten. Dabei wird h\u00e4ufig der Begriff \u201eBlackfacing\u201c benutzt, zu deutsch: \u201esich das Gesicht schw\u00e4rzen.\u201c Doch ergibt das auch Sinn, deswegen seinem Kind das Tragen seines liebsten Indianerkost\u00fcms zu verbieten? <\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich zum Rosenmontag malten sich jahrelang einige der verkleideten Teilnehmer des Fuldaer Faschingsumzugs schwarze Farbe ins Gesicht. Mit den passenden gro\u00dfen Augen und den hervorgehobenen Lippen stellten die Verkleideten afrikanische Sklaven dar, die im Faschingsumzug schon seit jeher ein fester Bestandteil waren. Diese Tradition wird als \u201eBlackfacing\u201c bezeichnet, also \u201esich das Gesicht schwarz anmalen.\u201c Auch wenn die Karnevalisten Dunkelh\u00e4utige damit nicht zwangsl\u00e4ufig negativ darstellen wollen, gilt \u201eBlackfacing\u201c als rassistisch. Diese Form von Rassismus wurde erstmals durch die \u201eMinstrel-Shows\u201c bekannt. Die musikalische B\u00fchnenunterhaltung, welche vor allem in den 1840er bis 1870er Jahren im Norden der Vereinigten Staaten sehr popul\u00e4r war, bestand aus wei\u00dfen Schauspielern, die sich das Gesicht schw\u00e4rzten. Dabei verhielten sie sich wie der angebliche Stereotyp eines Afroamerikaners \u2013 d\u00fcmmlicher Gesichtsausdruck, fr\u00f6hliches und naives Verhalten. Hierbei wurden die auf Plantagen arbeitenden Sklaven inszeniert, die trotz der schweren Arbeit ihren Besitzer liebten. Die dadurch ber\u00fchmt gewordene tollpatschige Negerfigur \u201eJim Crow\u201c wurde damit in den USA zum rassistischen Stereotyp und zum Symbol f\u00fcr den menschenunw\u00fcrdigen Umgang mit den Afroamerikanern.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist ohne Zweifel \u201eBlackfacing\u201c, jedoch sollte einem bewusst sein, dass nicht alles, was in diese Richtung geht, gleichbedeutend mit Rassismus und Diskriminierung ist. Denn \u201eBlackfacing\u201c im eigentlichen Sinne bezeichnet die negative Absicht hinter der sich schwarz anmalenden Person, also einen Schwarzen Menschen schlecht oder auch dumm darzustellen. Ein weiteres Beispiel hierf\u00fcr ist das Indianerkost\u00fcm, welches vor allem unter den Kindern im Fasching sehr beliebt ist. Dieses Kost\u00fcm beinhaltet ebenfalls ein Schw\u00e4rzen beziehungsweise ein dunkles Schminken der Haut. Doch genau hier teilt sich die Meinung der Gesellschaft. Denn viele sehen das Indianerkost\u00fcm als \u201eBlackfacing\u201c, manche empfinden diese Bezeichnung als \u00fcbertrieben und andere genau als das Gegenteil: Bek\u00e4mpfung des Rassismus. Im Hinblick auf diese Faschingskost\u00fcme erkl\u00e4rte eine Lehrerin gegen\u00fcber der Tageszeitung taz<a href=\"#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>, dass Kinder bei der Wahl ihrer Verkleidung, welche au\u00dferhalb ihres eigenen Kulturkreises vorkommt, nicht rassistisch oder diskriminierend handeln. Die Kinder entscheiden nach Sympathie, Bewunderung und Offenheit gegen\u00fcber der jeweiligen Bev\u00f6lkerungsgruppe. W\u00fcrdest du also einem Kind sein Indianerkost\u00fcm wegnehmen, obwohl es weltoffen und tolerant ist? Kein Kind wird als Rassist geboren, weshalb es wichtig ist, nicht pauschal alles als \u201eBlackfacing\u201c oder als rassistisch zu bezeichnen, sondern die Intention dahinter zu differenzieren und dementsprechend zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Art von Rassismus findet sich jedoch nicht nur im Fasching wieder, sondern auch in einer der sch\u00f6nsten Formen der Kunst: dem Ballett. Wer sich schon mal das Schwanenballett angesehen hat, erinnert sich bestimmt an wei\u00dfe, anmutig tanzende Schw\u00e4ne; aus der Ferne kaum auseinanderzuhalten. Chlo\u00e9 Lopes Gomes, die es als erste dunkelh\u00e4utige T\u00e4nzerin 2018 ins Berliner Staatsballett schaffte, sollte ebenfalls als Schwan mittanzen. Wie die B.Z. Berlin<sup><a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> <\/sup>berichtet, erhielt Lopes Gomes f\u00fcr eine Foto-Probe f\u00fcr das Schwanenseeballett die Anweisung, sich wei\u00df anzumalen, sodass die homogene wei\u00dfe Form weiterhin bestehe. Dass die Ballettt\u00e4nzerin ihre schwarze Haut wei\u00df anmalen sollte, wird als \u201eWhitefacing\u201c bezeichnet, also die umgekehrte Form des \u201eBlackfacings\u201c. Um auf diese Diskriminierung aufmerksam zu machen, ging sie an die \u00d6ffentlichkeit. Tanzen sollte Mensch und Kultur verbinden, nicht ausgrenzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese zwei Skandale verdeutlichen, dass selbst in Deutschland Rassismus immer noch stark ausgepr\u00e4gt ist. Es ist dringend notwendig, die Mitmenschen auf Rassismus aufmerksam zu machen und es nicht zuzulassen, dass Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe wie im Berliner Ballett weiterhin geschieht. Um dabei selbst aktiv mitwirken zu k\u00f6nnen, ist es zum Beispiel auch an unserer Schule m\u00f6glich, Anti-Rassismus-Projekte zu unterst\u00fctzen, wie zum Beispiel \u201eSchule ohne Rassismus \u2013 Schule mit Courage\u201c, bei denen sich Sch\u00fcler gegen Rassismus und Diskriminierung wenden. Unsere Generation hat die M\u00f6glichkeit die Weichen f\u00fcr eine Zukunft ohne Rassismus zu stellen und diese sollten wir auch nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong> \u201eSchule ohne Rassismus &#8211; Schule mit Courage\u201c ist ein deutschlandweites Projekt, das neben 2700 anderen Schulen auch seit Sommer 2018 vom Gymnasium Hohenschwangau (unter der Leitung von Herrn von Polenz) unterst\u00fctzt wird. In Rahmen dieses Projekts wenden sich Schulen gegen Diskriminierung, Mobbing und Gewalt. Falls ihr mehr \u00fcber das Projekt an unserer Schule erfahren m\u00f6chtet, k\u00f6nnt ihr auf der Hogauer Schulwebsite einen Beitrag dazu finden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#fba0a0\"><strong>WICHTIG: Mit einem Schwarzen Menschen ist eine Person gemeint, die sich zu einer Gruppe von Menschen z\u00e4hlt, die aufgrund ihrer Hautfarbe Erfahrungen mit Rassismus machen. Mit Schwarz ist jedoch nicht direkt die Farbe Schwarz gemeint. Um das auszudr\u00fccken, wird Schwarz im Zusammenhang mit Rassismus gro\u00df geschrieben. Diese Bezeichnung ist laut Experten richtig, da Schwarze Menschen diese Bezeichnung f\u00fcr sich selbst ausgew\u00e4hlt haben. Eine weitere m\u00f6gliche Bezeichnung w\u00e4re <em>People of Colour<\/em>. Jedoch sollte man das nicht mit <em>farbig<\/em> \u00fcbersetzen, da Schwarze diesen Ausdruck nicht f\u00fcr sich gew\u00e4hlt haben. Damit man wei\u00df, dass es ebenfalls nicht wirklich um die Farbe der Haut geht, schreibt man <em>People of Color <\/em>&nbsp;kursiv.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><sup><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> <\/sup>Schmidt, Birgit: Indianerkost\u00fcm gegen Rassismus. In: taz vom 23.02.2020. <a href=\"https:\/\/www.bz-berlin.de\/kultur\/ballerina-chloe-lopes-gomes-wehrt-sich-gegen-rassismus\">https:\/\/www.bz-berlin.de\/kultur\/ballerina-chloe-lopes-gomes-wehrt-sich-gegen-rassismus<\/a> (letzter Zugriff am 17.05.21)<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> <\/sup>Hafner, Martina: Ballerina Chlo\u00e9 Lopes Gomes wehrt sich gegen Rassismus. In: BZ-Berlin vom 07.12.2020. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Verkleidungen-zum-Karneval\/!5658751\/\">https:\/\/taz.de\/Verkleidungen-zum-Karneval\/!5658751\/<\/a> (letzter Zugriff am 17.05.21)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Indianer, Mohr und Scheich \u2013 Kost\u00fcme, die immer \u00f6fter als rassistisch gelten. 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